Vom Schreibtisch ins Abenteuer – ROMANISCHE KULTURWISSENSCHAFT mit Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen

Shownotes

Manche Abenteuer beginnen am Schreibtisch – aber sie finden selten allein dort statt. Mit Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen entdecken wir in dieser Folge des "Gasthörer" das Abenteuer Romanistik: Es geht um Alexandre Dumas als schillernden Autor von Abenteuerromanen, um die Winnetou-Abenteuer als Pophänomen für ganze Generationen, und um die großen Abenteuer des Films – aber nicht nur in den erzählten Geschichten, sondern auch rund um deren Entstehung und am Set. Die größten Abenteuer erwarten einen aber, wenn man sich selbst aufmacht und diesen Filmdrehs an ihren Originalschauplätzen nachspürt – das hat Prof. Junkerjürgen gemacht, und er nimmt uns mit auf diese Reise. Eine Folge über eine besondere Art zu forschen, die Fiktion und unsere echte Welt zusammenbringt.

Themen der Sendung: Link zum Spanischen Filmfestival cinEScultura in Regensburg

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00:00:03: In einer Kirche in Maastricht haben Archäologinnen und Archaeologen gerade ein Grab freigelegt.

00:00:08: Es könnte zu einer der schillernsten Figuren der Literaturgeschichte gehören, d'Artagnan.

00:00:13: Also genau der Musketier den wir eigentlich aus Romanen kennen – aus einer weltvoller Abenteuer, Freundschaft und ziemlich wilde Geschichten!

00:00:22: Und plötzlich ist da diese Verbindung… Ein Fund zwischen Geschichte und Erzählung, zwischen Fakten und Fantasie.

00:00:28: Genau da fängt Forschung an, nicht nur in staubigen Archiven oder stillen Bibliotheken sondern auch draußen auf Reisen und Drehorten im Kino.

00:00:38: Da wo Geschichten entstehen oder weiterleben.

00:00:41: Forschung kann heißen solchen Spuren zu folgen quer durch Europa durch Filme durch Bücher.

00:00:46: Warum schauen manche Menschen da genauer hin?

00:00:48: Wo wir einfach nur einen Film genießen oder eine Abenteuergeschichte lesen?

00:00:52: Und was passiert wenn Wissenschaft genau diese alltägliche Dinge ernst nimmt?

00:00:57: Darum geht's heute im Gasteurer, dem Wissenschaftspodcast der Uni Regensburg.

00:01:01: Mein Gast für diese Forschungsabenteuer-Reise ist der Romanist Prof.

00:01:05: Dr.

00:01:05: Ralf Junckerjürgen.

00:01:06: Hallo Herr Junkerjürgenschön dass Sie da sind!

00:01:11: Und hallo auch an euch liebe Hörerinnen und Hörern.

00:01:14: ich bin Katharina Herkoma und ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid.

00:01:19: Gasthörer

00:01:25: Herr JunckerJürgen sie sind nicht umsonst mein Gast fürs Thema abenteuerliche Geschichten.

00:01:31: Sie haben zum Beispiel mal dazu geforscht, wie Spannung in Büchern grundsätzlich funktioniert und dazu Romani wie den Herr der Ringe, den Schatz im Silbersee oder Harry Potter analysiert.

00:01:42: Sind sie selbst ein abenteuerlustiger Mensch?

00:01:44: Sind sie mutig oder machen die solche Abenteuer lieber vom Sofa aus mit einem Buch in der Hand?

00:01:50: Eigentlich beides am liebsten!

00:01:51: Also erstmal die Vorbereitung auf dem Sofa... Aber dann muss man das Trauter einmal verlassen und auf Suche gehen.

00:01:59: Das ist ja auch immer wieder eine Geschichte, die in den Abenteuer-Romanen selber erzählt wird, dass Leute ein ganz bürgerliches gemütliches Leben für ihn dann plötzlich rausgesessen werden und die unglaublichsten Dinge erleben.

00:02:10: Und das hat mich immer sehr fasziniert!

00:02:13: Und das fing eigentlich als leser an – als jugendlicher Leser mit Karl May in Deutschland.

00:02:19: was soll es anders sein?

00:02:21: Und dann die Frage, die sich mir stellte lautete.

00:02:24: Warum gefällt mir das eigentlich so gut?

00:02:27: Und der Begriff den man da immer verwendet, das war eben Spannung.

00:02:31: Das heißt Sie mögen Spannungen auch gerne?

00:02:33: Ja aber vor allen Dingen wie sie es richtig gesagt haben im Abenteuer-Roman.

00:02:37: Krimi Literatur, die wir heute wahrscheinlich am ersten mit Spannungsverbinden... Die habe ich ja auch gelesen natürlich.

00:02:44: Aber am Ende sind es immer wieder irgendwie dieselben Geschichten.

00:02:48: Natürlich beim Abenteu auch ein bisschen Aber der Krimi hat mich dann nicht so lange begleitet wie jetzt die Abenteuer-Literatur.

00:02:54: Und da ich jetzt in die Romanistik gegangen bin, stellte sich dann die Frage ja, welche Autoren sind das denn?

00:03:01: Und das waren dann eben Jules Verne erstmal, der im Unterschied zu Karl May ist ein ganz globaler Auto, ist den auch wirklich auf der Welt.

00:03:08: jeder kennt was bei Karl May nicht der Fall ist und dann kam irgendwann Dümmer hinzu

00:03:15: Wenn wir später noch ausführlich darüber reden.

00:03:18: Erst mal stelle ich Sie unseren Hörerinnen und Hörern noch ganz kurz vor.

00:03:21: Sie sind in der Nähe von Güteslo, Nordrhein-Westfalen geboren und haben nach dem Abi in Münster Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch studiert.

00:03:29: Zuerst noch auf Lehramt.

00:03:30: Sie haben sich dann aber für eine Promotion entschieden.

00:03:32: Und als die fertig war, haben sie zuerst in Marburg und dann in Chemnitz an der Uni unterrichtet.

00:03:37: In Chemnitz wurden sie habilitiert und kurz darauf sind Sie dann schon hierher nach Regensburg gekommen.

00:03:42: Seit dem Jahr seven haben sie bei uns an der Uni eine Profisur für romanische Kulturwissenschaften inne, und seit zwei tausenddreinzwanzig leiten sie an ihrer Fakultät außerdem das Forschungszentrum Spanien.

00:03:53: auch darüber sprechen wir gleich noch ausführlicher.

00:03:57: Ihr Fokus liegt auf Französisch und Spanisch heute, damit wir alle auf dem gleichen Level sind.

00:04:03: Wir sind ja nicht alle Profi-Romanisten!

00:04:05: Was gehört denn alles zur Romanistik dazu?

00:04:07: Wo kann man denn alles seinen Fokus haben?

00:04:10: Also grundsätzlich hat sich die Romanistika entwickelt als Forschung der romanischen Sprach- und Literaturen.

00:04:17: Das waren erstmal zwei Säulen Literatur und Sprache Damals noch ganz eng miteinander verzahnt.

00:04:21: Heute ist das weitgehend getrennt.

00:04:23: Und dann ist im zwanzigsten Jahrhundert eigentlich nach der Wende vor allen Dingen auch noch die Kultur hinzugekommen Also die Kulturwissenschaft in Ostdeutschland oder in der ehemaligen DDR, da hat es immer Kulturwissenschaft gegeben.

00:04:36: In Westdeutschein hingegen nicht.

00:04:38: und die Professorie, die ich hier besetze, ist tatsächlich eine der ersten gewesenen, die jetzt wirklich romantische Kulturwissen war.

00:04:47: Das war kurios weil es natürlich in Westdeutzchein eigentlich niemanden gab.

00:04:50: Der Kulturwissenschaftler war, weil es das Fach ja auch in der Romanistik gar nicht gab.

00:04:55: Aber bei meiner Ablitation hatte ich so ein Zwischenthema zwischen Kultur und Literatur, deswegen passte das irgendwie.

00:05:00: Und das sind die drei großen Optionen!

00:05:02: Dann hat man natürlich noch die Optionen zwischen den verschiedenen Sprachen.

00:05:05: In der Regel ist es so Frankreich war immer so das Hauptland gewesen der romanischen Länder.

00:05:10: Das heißt eigentlich alle Romanisten haben zunächst einmal Französisch studiert in Deutschland und dann kommt entweder als Kombination hin zu italienisch oder spanisch.

00:05:20: Portugieses gibt es natürlich auch noch, aber da braucht man schon große Institute die das alles personell ausfüllen können.

00:05:24: Das ist ja ganz schön viel was man da so macht.

00:05:27: Sind das dann alle Sprachen?

00:05:28: Also portugiesisch, spanisch, französisch, italienisch... Je

00:05:31: nach Zählung gibt es ein ganzes Dutzend!

00:05:33: Also es gibt auch verlorene Sprachen wie das dalmatische beispielsweise.

00:05:37: Es gibt noch das sadisch als eigene Sprache, es gibt noch dass katalanische... ...es gibt natürlich das romänische und so weiter.

00:05:43: also es gibt eine ganze Reihe.

00:05:44: am Ende kommt man so auf ein gutes Dutzend.

00:05:46: aber die drei Hauptsprachen sind für uns weiterhin französisch-spanisch-italienisch.

00:05:50: Und kommen Sie da manchmal auch durcheinander wenn sie sich in diesen sprach-und kulturräumen bewegen?

00:05:55: Nicht mehr glücklicherweise!

00:05:57: Das liegt natürlich auch daran dass ich nur noch zwei Sprachen mache.

00:06:00: Ich hatte ja früher noch Italienisch dazu, aber zwischen italienisch und spanisch ist dann die Reibungsfläche schon sehr groß muss man sagen.

00:06:08: Ich hatte so ein bisschen das Glück dass ich die Sprachen nacheinander gelernt habe also erst Französisch in der Schule, dann Spanisch und nach weiteren fünf Jahren hab' ich mit Italienische angefangen sodass man Zeit hatte sich auf eine Sprache zu konzentrieren Und irgendwann kann man da schon ganz gut trennen.

00:06:27: Für die Literatur ist es auf jeden Fall französisch Für die Kommunikation ist es spanisch.

00:06:32: Warum?

00:06:33: Die Literatur Frankreichs ist für mich so ein bisschen das allergrößte, gerade die des neunzehnten Jahrhunderts.

00:06:40: Das ist mein Herzlootsbaster in Wallung gerät wenn ich französische Literaturen lesen darf.

00:06:46: und das spanische ist in der kommunikation so schön weil die spanier so unglaublich integrativ sind.

00:06:52: man kommt neu hinzu Man wird sofort aufgenommen.

00:06:56: Es wird sehr viel kommuniziert mit Sprache, mit Händen und Füßen, mit Blicken usw.

00:07:00: Das habe ich immer als ganz angenehm empfohlen.

00:07:02: Es gibt überhaupt keine Steifheit wie wir das vielleicht mit anderen oder in unserer eigenen Kultur haben so ein bisschen Distanz und Steifheid.

00:07:09: Das haben die Spanier nicht.

00:07:11: Und der spanische ist eben eine richtige Sprache zum sprechen.

00:07:14: Das klingt jetzt ein bisschen komisch wenn ich das sage aber man denkt jede Sprache ist ja zum sprechen.

00:07:18: Aber Wenn ich z.B an das französische denke Die Sprache is ganz stark geprägt vom schriftlichen Und man lernt auch die Sprache erstmal über das Schriftliche.

00:07:28: Im Spanischen ist es doch ein bisschen anders, weil die Umgangssprache so eine ganz starke Rolle spielt und die auch sehr anders ist als die geschriebene spanische Sprache.

00:07:36: Wenn man dann mal länger in Spanien ist, wird man automatisch diesen Sog mit eingezogen Und das fand ich immer.

00:07:41: Das war für mich eine ganz tolle Erfahrung und das gehört so richtig zu meinen Lebensschätzen dazu, diese Erfahrung mit den Spaniern – Ich halte die für große Meister der Kommunikation, da können wir unglaublich viel lernen!

00:07:53: Und das fand ich immer faszinierend.

00:07:56: Man merkt schon Sie schauen sich das alles irgendwie ganz detailliert an und analysieren viel in Ihrem Kopf?

00:08:01: Was ist es denn was für Sie so spannend ist an diesem Fach der Romanistik?

00:08:05: Sie haben schon gesagt, es gibt die Literatur und die Kultur.

00:08:07: aber irgendwas muss sie ja Daran reizen, dass Sie gesagt haben das mache ich zu meiner Profession.

00:08:14: Ich bin neunzeigundsechzig geboren und in den siebziger Jahren war doch für uns auch als Kind und dann auch als Jugendlicher in den achtziger Jahren Die Nachrichtsgeschichte Deutschlands noch sehr belastend, muss ich sagen.

00:08:28: Und in unserer Vorstellung von unserer Identität haben uns die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges der Shoah und auch der Diktatur... Auch wenn wir sie nicht erlebt haben.

00:08:37: aber unsere Elterngeneration hatte sie, erlebte unsere Großeltern-Generation.

00:08:40: das war doch sehr präsent!

00:08:41: Und es gab eigentlich... Ich bin in einer Kleinschaft aufgewachsen so den Blick nach draußen.

00:08:46: Das war entweder die englischsprachige Welt oder es war die romanesprache gewählt.

00:08:51: Aber es hat sich dann so entwickelt, dass ich eher in die Richtung Frankreich gegangen bin erst mal.

00:08:56: Wir hatten auch Schüler-Austausche und hab' dann auch Leute kennengelernt... ...und das fand ich alles so interessant!

00:09:03: Und das Französische hatte damals einen unglaublichen... Status als Kultursprache und Frankreich als Skulpturnation oder als Kulturmacht sozusagen hatte einen unglaublichen Status, den es heute nicht mehr hat.

00:09:15: Aber in den Achtziger Jahren sind wir noch mit einer großen Bewunderung generell aufgewachsen für das Französische und die Geschichte Frankreichs.

00:09:23: Und das hat sicherlich einige Wege geebnet also immer mit einer grossen Faszination und großen Respekt verbunden.

00:09:30: wenn das Wort Frankreich viel.

00:09:32: Heute kann man sich das nicht mehr so vorstellen.

00:09:33: Heute werden die Leistungskurse französisch kaum noch voll in den Gymnasien.

00:09:38: Man kann es nicht so richtig erklären, warum gerade diese Achse Frankreich Deutschland, die ja so wichtig ist vor Europa, warum in Frankreich immer weniger Deutsch und in Deutschland immer weniger Französisch gelernt wird... Ich deute dass das irgendwie eine Normalität ist und man das nicht für problematisch hält.

00:09:53: Und in meiner Generation auch wenn ich deutlich nach dem Krieg geboren wurde, immer noch der Gedanke war Versöhnung Gerade über, sag ich mal, Fraternisierung mit Frankreich als ganz zentraler kulturelle Aufgabe irgendwie.

00:10:05: Woraus ja auch die Schüleraustausche entstanden sind.

00:10:07: also wirklich für mich eine der schönsten Erinnerungen überhaupt.

00:10:10: Schüler austauschen nach Frankreich das war einfach ne gute Zeit und wo man das erste Mal gemerkt hat man kein was mit der Sprache wirklich anfangen.

00:10:16: so Wir kommen zu weiter.

00:10:18: Préry & Lagerfeuer Romantik.

00:10:21: Es geht um Winnetou.

00:10:23: Sie haben ein Buch rausgebracht mit dem Titel Warum Winnetu wichtig War.

00:10:28: Eine schöne Alliteration.

00:10:29: Als sie aufgewachsen sind, kam Winnetou noch regelmäßig als Wiederholung im Fernsehen.

00:10:34: Aber viele unserer Hörerinnen und Hörern kennen das Phänomen vielleicht nur noch so als Begriff und verbinden kaum noch was damit.

00:10:42: Und deswegen habe ich meine Kollegin Margit Scheidt gebeten uns – bevor wir tiefer eintauchen in dieses Thema – ein paar Infos rund um diesen fiktiven Häubdling zusammenzutragen und uns da alle auf den gleichen Stand zu

00:10:53: bringen.".

00:10:58: Die Figur Winnetu stammt ursprünglich aus den Romanen des deutschen Schriftstellers Karl May.

00:11:03: Ende des neunzehnten Jahrhunderts erschuf er eine ganze Welt rund um den wilden Westen.

00:11:09: Dabei war er, als er die Bücher schrieb selbst noch nie dort.

00:11:13: In seinen Geschichten erzählt er von Winnetou dem edlen Häutling der Aparchen und seinem Blutsbruder Old Shatterhand – einem deutschen Auswanderer.

00:11:23: Gemeinsam erleben sie Abenteuer, kämpfen gegen Ungerechtigkeit und stehen für Werte wie Freundschaft, Ehre und Frieden!

00:11:30: Diese Bücher wurden zu echten Bestsellern und prägten über Generationen hinweg das Bild vom wilden Westen.

00:11:37: Zumindest im deutschsprachigen Raum.

00:11:40: Richtig lebendig wurde Winnetou dann in den neunzehnhundertsechziger Jahren auf der Kinoleinwand.

00:11:45: Die Verfilmungen machten die Figur zu einem Massenphänomen.

00:11:49: Sie zogen Millionen Menschen in die Kinos.

00:11:52: Besonders prägend war die Besetzung.

00:11:54: Der französische Schauspieler Pierre Bries als Winnetou und der US-Amerikaner Lex Barker als Old Shutterhand wurden für viele zur endgültigen Verkörperung der Romanhelden.

00:12:06: Doch der Erfolg endete nicht mit den Kinoforführungen, über Jahrzehnte hinweg wurden die Winnetuffilme immer wieder im Fernsehen gezeigt – zu besten Sendezeit und oft rund um die Feiertage!

00:12:18: Für viele Familien gehörten diese Wiederholungen fest zum Jahresablauf.

00:12:22: fast wie eine Tradition.

00:12:24: So blieb Vinetu Präsenz auch bei Menschen, die die ursprünglichen Kinofilme nie selbst erlebt hatten.

00:12:31: Jahrzehnte später wurde der Mythos noch einmal neu aufgegriffen – diesmal auf humorvolle Weise!

00:12:37: Mit «Der Schuh des Manitu» gelang Michael Bulli Herbig Anfang der zweitausender Jahre.

00:12:44: eine Parodie, die sich liebevoll auf die bekannten Vinetufilme bezog und die funktionierte wieder.

00:12:50: ein riesiger Kino-Hit Wieder Millionen von Zuschauern.

00:12:54: Der Schuh des Manitou wurde kommerziell gesehen zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm aller Zeiten.

00:13:00: Auch weitere Filme von Herbig knüpften an diesen Erfolg an und bewiesen, dass der Westernmythos selbst in moderner komudiantischer Form weiterleben kann.

00:13:10: Heute wird Winnetou allerdings auch kritisch betrachtet – Fragen nach kultureller Aneignung, Klischees und dem Bild indigener Völker sind in der Diskussion sehr viel wichtiger und präsenter geworden!

00:13:23: Trotzdem bleibt das Phänomen bemerkenswert.

00:13:26: Aus einer erdachten Figur wurde über Generationen hinweg ein fester Bestandteil der Pop-Kultur, der bis heute nachwirkt.

00:13:40: Herr Junkerjürgen, erinnern Sie sich noch, wann sie das erste Mal einen Winnetou-Film gesehen haben?

00:13:45: Wie alt waren Sie da?

00:13:46: Da war ich, ich glaube sechs Jahre alt.

00:13:50: Das war der Schatz im Silbersee, der lief an einem Samstag im ZDF und ich durfte nur die erste Viertelstunde gucken Und das war für mich damals ein traumatisches Erlebnis, dass ich in einer Szene abbrechen musste und habe dann immer davon geträumt diese Filme mal zu sehen.

00:14:05: Wir wohnten gegenüber vom Kino – das kommt noch hinzu – die Filme wurden ja früher wenn sie nicht in der Fernsehauswertung waren weiter verwertet im Kino.

00:14:12: Das heißt, die kamen da nochmal wieder für den Wochenende oder so, also so klassiker.

00:14:16: Also die Bilder kannte ich schon und das war natürlich wirklich ein Phänomen.

00:14:20: jeder Kante ist Und abgesehen von den Filmen hatten sich bei uns in der Schulklasse auch so richtige Lesegruppen gebildet, die Kalmailasen.

00:14:28: Also man tauschte Bücher, man las Bücher und sprach darüber – das war also wirklich eine so präsente Welt in der populären Kultur und in der Jugendkultur.

00:14:36: Das kann man heute wo alles so diversifiziert ist und jeder seine eigene Plattform hat, kann man sich das gar nicht mehr vorstellen dass es da Dinge gab, die eigentlich jeder kannte und zu denen jeder auch was sagen konnte.

00:14:47: Und Winnetou war eben eine Heldenfigur mit der ganz viel, sage ich mal aus der deutschen Romantik weiterlebte.

00:14:58: Nicht nur weil diese Texte eigentlich sozusagen in einer spätromantischen Phase man soweit gehen will entstanden sind sondern weil das glaube ich auch etwas war was sich so eine Sehnsucht Naturverbundenheit gewisse Vorstellungen von Umwelt Landschaft und so weiter.

00:15:15: Das war alles da auch präsent in diesen Büchern.

00:15:17: Und das hat uns sehr beeindruckt und viele, viele Jahre geprägt.

00:15:22: Was hat die Begeisterung ausgemacht?

00:15:23: Wenn Sie sagen wirklich, viele Kinder jünglich als Ihrer Klasse haben es gelesen, auch viele Erwachsene – hat ja über die Generation hinweg funktioniert?

00:15:32: Es war erst mal was ganz Irrationales.

00:15:33: Da habe ich gar nicht darüber nachgedacht.

00:15:35: Erst im Nachhinein, dass dieses kleine Buch entstanden ist, da habe ich mir dann versucht zu erklären wie das eigentlich kam.

00:15:42: Also erstmal muss man sagen, es sind ja zehn Winnetou-Filme insgesamt und fünf davon sind von Harald Reinehl.

00:15:48: Das ist ein österreichischer Regisseur der damals der kommerziell wohl erfolgreichste in Deutschland gewesen ist.

00:15:54: Und er hatte bei Linie Riefenstahl gelernt.

00:15:57: Linie riefen Stahl ist natürlich eine sehr umstrittene Figur aber... In

00:16:02: S Filme und so viele die nicht

00:16:03: da drin sind?

00:16:03: Genau also Olympia oder Triumph des Willens.

00:16:07: Aber natürlich konnte sie mit der Kamera umgehen.

00:16:10: Und Reinehl kam zu dem, der war eigentlich Jurist.

00:16:13: Der hat auch eine ganz interessante Biografie.

00:16:14: Er ist aber über seinen Ski-Talent.

00:16:17: Er war nämlich an der schnellsten Skifahrer Österreichs und Lieneriefenstall brauchte damals Skifahrer für ihre Bergfilme.

00:16:24: So kam er als junger Mann, eigentlich als Spitzensportler In den Filmen und ist dann da irgendwie geblieben, hat also eigentlich drei Berufe sozusagen in seinem Leben gehabt.

00:16:33: Und ist dann Filmregisseur geworden und hat dann neben dem Edgar Wolles Film auch diese Karl-Mai-Filme gemacht.

00:16:38: Diese Filme sind von der Fotografie her so faszinierend... Und diese Berglandschaften im Wellebittgebirge, die sind so toll eingefangen.

00:16:51: Dass das einfach eine Welt war, die unglaublich präsent gewesen ist visuell.

00:16:55: und dann kam noch diese grandiose Filmmusik von Martin Böttcher hinzu.

00:16:59: Das war auch die erste Schallplatte, die ich mir von meinem eigenen Geld gekauft habe.

00:17:02: War da nicht mehr ne Tu-Musik?

00:17:04: Die hab' ich immer noch in dieser Schall-Platte und die hat mich also wirklich über Jahrzehnte begleitet!

00:17:11: Ich glaube es war erst mal ein ästhetisches Erlebnis.

00:17:13: Und dann kommen natürlich bestimmte kulturelle Dinge noch hinzu, die ich damals als Kind aber nicht verstanden

00:17:17: habe.

00:17:19: Lassen Sie uns bei den ästhetischen Dingen bleiben?

00:17:21: Denn sie sind da jetzt gerade direkt eingetaucht... ...aber das ist vielleicht auch nicht jedem und jeder so klar!

00:17:26: Sie haben gesagt ja im ehemaligen Jugoslawien und so.

00:17:29: Die wurden nicht im wilden Westen gedreht diese Filme um das jetzt nochmal genau zu sagen sondern eben in Teilen heute Kroatien, Emaljes und Jugosawien

00:17:37: Hauptsächlich in Kroatien.

00:17:38: Man hätte damals europäische Western aus Kostengründen in den USA nicht drehen können, das wäre viel zu teuer gewesen.

00:17:44: also suchte man Anfang der sechziger Jahre nach Möglichkeiten europäischer Western zu drehen.

00:17:50: da kann man sich ja sowieso fragen wieso überhaupt europäisch western?

00:17:52: was soll dass?

00:17:54: nun ist kalmai ein durch und durch europäisches autor Da kann man das noch verstehen als Adaption.

00:17:59: aber warum überhaupt einen europäischen western?

00:18:01: Der western war weiterhin sehr beliebt in Europa Aber in den USA wurde weit aus weniger produziert, weil sich das Fernsehen... Das war ja in den US alles immer so zehn Jahre früher als in Deutschland.

00:18:13: Die Haushalte waren schon mit Fernsehen versorgt.

00:18:15: D.h.,

00:18:16: die Produktion von Western ging immer mehr in Fernsehserien hinein und es entstand eigentlich ein Bedarf an Westernfilmen.

00:18:23: Das kann man sich heute auch nicht vorstellen, wieso gibt's einen Bedarf auf Westernfilme?

00:18:27: Wir haben doch alles im Überfluss!

00:18:29: Ja, aber in den Fünfzigerjahren haben wir mit achthundert Millionen verkauften Eintrittskarten im deutschen Kino.

00:18:38: Die höchste Verkaufszahl überhaupt in der Geschichte des Kinos in Deutschland.

00:18:41: Das war so ein Massenphänomen.

00:18:43: Jeder ging jede Woche ins Kino, junge Leute gingen ins Kno, weil es nicht so teuer war und Fernseher gab es noch nicht so viel.

00:18:49: Das heißt das war auch einen Riesenbedarf an neuen Filmen!

00:18:52: Und dann die Idee ja warum machen wir denn nicht selber Western?

00:18:56: Können wir doch auch mal probieren Wie machen wir das?

00:18:58: Wir müssen natürlich einen US-amerikanischen Darsteller nehmen.

00:19:01: Wir können jetzt nicht Heinz Rühmann als Westernheld nehmen, das passt jetzt nicht!

00:19:05: Dann nahmen eben Leute aus der zweiten Reihe aber Leute die in den USA nicht ganz voll Fuß fassen konnten oder die in einem Moment ihrer Karriere waren wo sie sich vielleicht in Europa umschauen mussten Und dazu gehörte Lex Barker.

00:19:19: Der war in Rom, der drehte in Italien beispielsweise wie Pierre-Brice auch.

00:19:23: Das war zwar ein Franzoses ist ein bisschen anderer Fall gewesen aber man hatte eben Interesse daran ausländische Darsteller zu engagieren weil das dann so ein bisschen amerikanischer aussah.

00:19:32: und es hat ja offensichtlich auch sehr gut funktioniert einen Western zu drehen nicht in Amerika.

00:19:37: die Landschaften haben sie gerade schon gesagt machen mit des Phänomen dieser Filme aus.

00:19:42: Die haben sie auch fasziniert und zwar so, dass die dann selbst auf die Reise gegangen sind für ihr Büchlein.

00:19:47: Es war immer mein Traum, die Drehorte in Kroatien zu besuchen.

00:19:51: Als ich ein bisschen älter war – da gab es ja diesen furchtbaren Krieg im ehemaligen Jugoslawien – das war nicht möglich.

00:19:58: Kurioserweise waren gerade auch die wichtigsten Drehorten der Winnetou-Filme vermient Schweres Kriegsgebiet gewesen.

00:20:06: Diese Mienen, die sind also.

00:20:07: bis vor wenigen Jahren standen dann noch Warnschilder.

00:20:10: Also lange, lange Zeit haben sie da gelegen zum Teil und... Dann hat es lange gedauert bis ich dann ... ... zwanzig-zwanzig zur Pandemie plötzlich dachte jetzt hast du mal Zeit.

00:20:21: Schau dir das doch mal an!

00:20:22: Und ich hatte einen Reiseführer, einen Filmreiseführern, in dem man eben nachlesen konnte wie man zu den Orten hinkommt denn man würde das ja nicht finden.

00:20:29: Das sind ja teilweise sehr abgelegene Also der Harald Reine, das war ja ein Bergspezialist.

00:20:35: Mir ist dann auch bei den Besichtigen der Drehorte erst klar geworden die haben teilweise auf tausend Meter gedreht da gibt es keine Straßenverbindung wir haben die da fünfzig Pferde hoch gekriegt.

00:20:43: Also das Abenteuer, was erzählt wurde.

00:20:45: Das steckte noch ein Abenteurer dahinter nämlich diesen Film zu drehen und das war also wirklich ein irres Erlebnis.

00:20:51: und diese Landschaften haben mich dermaßen beeindruckt dass ich so eine Art Reisetagebuch geführt habe weil auch sehr viele Erinnerungen einfach wieder hoch kamen denn die Drehorte liegen eben zum Teil in Nationalparks.

00:21:02: Sechzig Jahre sind die Filme mittlerweile alt.

00:21:05: Landschaft verändern sich in sechzig Jahren aber im Nationalpark eben nicht.

00:21:11: Das ist so irre zu sehen, dass teilweise diese Landschaften noch genauso wie sie vor sechzig Jahren gefilmt wurden auch wieder erkennbar sind als wäre das gestern erst gewesen und das hatte schon einen richtig tiefen Eindruck gemacht.

00:21:24: Und so ist dieses Büchlein entstanden.

00:21:26: Dass es ein bisschen Reisetagebuch ist, bisschen Reflexion über die Drehorte.

00:21:33: Sie haben es genannt, warum war Winnetou wichtig?

00:21:34: Ich stelle Ihnen diese Frage.

00:21:38: Also das hat natürlich auch biografische Gründe und ich habe versucht das auf verschiedenen Ebenen so ein bisschen zu erklären.

00:21:43: über die Ästhetik haben wir schon gesprochen aber es kommt eben noch was hinzu.

00:21:47: ich glaube dass ist eine starke kulturelle Bedeutung hatte.

00:21:51: wenn man sich mal den Erfolg oder die Wirkung der Karl-Mai Welt anschaut die ja aus Büchern und Filmen parallel existierte dann endet das eigentlich so in den Neunzigerjahren nach der Wiedervereinigung.

00:22:04: Und das ist ein deutlicher Hinweis, bis zu den neunzigern Jahren konnten sie in jede Buchhandlung in Deutschland gehen.

00:22:10: Die hatten immer Kalmay-Romane die sogenannten grünen Bände vorrätig – immer!

00:22:15: Seit den neunsigerjahren sind die verschwunden, die müssen jetzt bestellt werden.

00:22:19: Das heißt, dass Publikum es weggebrochen in den neundzigerJahren und ich glaube, dass nach der Wiedervereinigung Funktion irgendwie erfüllt hatte.

00:22:30: Ich glaube, der hatte eine wichtige zusätzliche Funktion.

00:22:33: nach fünfundvierzig also abgesehen von Romantik und Abenteuer von Exotik Nachfünfund vierzig kam etwas hinzu.

00:22:40: das war natürlich einmal die Thematik von Verbrüderung.

00:22:44: ich meine es ist eine interkulturelle Freundschaftsgeschichte.

00:22:47: ein Europäer und einen Apatschen werden Bluts Brüder.

00:22:52: Das ist eine Form von Völkerverständigung.

00:22:55: Dann soll der Alcetan Vinetus Schwester heiraten.

00:22:57: Es geht bis zur Verschwägerung, das kommt dann zwar nicht dazu im Buch und im Film aber diese Thematik des Friedens, der Freundschaft, der Blutsbrüderschaft ist ja... Das ist so eine Art Ehe wenn man so will.

00:23:09: So ein Art Männer-Ehe also als Bild um das mal auszudrücken Und das war sehr, sehr faszinierend.

00:23:15: Nachdem ich das Buch erschien, habe ich es an vielen Stellen auch vorgestellt und dann kamen Leute die noch älter waren als ich Denn man muss sagen, diese Winneturwelt, die wirkte wirklich eigentlich ab den Leuten, die noch Ende der Vierziger geboren waren bis Anfang der Siebziger.

00:23:29: Über dreißig Jahre hinweg sind also Generationen davon geprägt worden und die sagten mir was sie damals so fasziniert habe das seien positive Männerbilder gewesen denn nach dem Krieg haben viele Söhne ihre Väter oder auch andere männliche Verwandte als niedergeschlagen Als depressiv oder aus traumatisiert oder schwach erlebt.

00:23:51: Und dann seien plötzlich diese edlen Figuren, Winnetou und Olcetain die für Werte einstanden.

00:23:56: Die großstattlich und einfach super aussahen muss man natürlich auch sagen.

00:24:00: Das waren ja auch Posterhelden das war eine richtige Ikonen in Deutschland.

00:24:04: Niemand war so oft auf der Bravo-Titelseite bis heute wie Pierre Brise.

00:24:08: Ach weiß!

00:24:08: Das ist die Nummer eins immer noch Pierre Bris also als positive Männerfigur.

00:24:13: nach dem Weltkrieg gab es da offensichtlich einen Bedürfnis und in den Buch selber gehe ich aber stärker darauf ein dass Ich glaube dass es da etwas gab, was einem tiefen nachvollziehbaren psychischen Bedürfnis in Deutschland entsprach.

00:24:27: Nämlich diese Wiedereinliederung eines Deutschlands das die Schande der Welt gewesen ist durch Kriegs- und Menschheitsverbrechen im Kontext einer Westintegration.

00:24:40: Das war ja das große politische Ziel von Adenauer – Westintegrations.

00:24:44: Und zweiundsechzig kommt der erste Winnetou Film.

00:24:47: Das ist genau das Ende der Adenauerzeit!

00:24:50: Und da haben wir einen Franzosen, der unseren Winnetou spielt und ein US-Amerikaner, der uns an Olcetta hin spielt.

00:24:58: Und das in einer deutschen Produktion total international... ...und dann mit den beiden sag ich mal worauf kam es denn an?

00:25:04: Die Verbrüdung mit den USA und die Versöhnung mit Frankreich!

00:25:08: Und genau das war vielleicht nicht so geplant aber so konnte das wirken und deswegen glaube ich waren Winneto & Olceta hinten auf einer irrationalen Ebene so das Gefühl Wir Deutschen dürfen wieder dazugehören.

00:25:22: Wir sind Teil der westlichen Welt, wir haben einen neuen Platz gefunden und da können wir jetzt wieder sozusagen mit den anderen Nationen gemeinsam ein Europa aufbauen.

00:25:34: und das denke ich war ein ganz starkes Bedürfnis.

00:25:35: nicht glaube innerhalb Deutschlands waren diese beiden Figuren Schlüsselfiguren um das zu visualisieren.

00:25:41: Das ist so'n bisschen die Haupttese des Buchs was die Bedeutung Venedus angeht Und dass es dann Mit der Wende neunundachtzig und mit der Wiedervereinigung neunzehntneunzig ist das Thema dann historisch abgeschlossen.

00:25:53: Denn wenn wir ganz genau hinschauen, der zweite Weltkrieg endet für uns neunzentneunzig Und dann hat glaube ich auch der Winnetü Mythos seine Aufgabe in diesem Kontext erfüllt.

00:26:03: Es kam noch etwas hinzu Nämlich Winnetu hielt auch Ost- und West so ein bisschen zusammen Denn das war ein gemeinsames Thema.

00:26:11: Wir sind ja im Westen und im Osten doch kulturell ganz, ganz anders aufgewachsen.

00:26:16: Aber Karl May war ein Bindeglied und meine erste Reise, das weiß ich noch, das habe mit Mitschülern einen Tag vor der Wiedervereinigung sind wir nach Sachsen gefahren haben uns das Karl-Mai-Geburtshaus angesehen, sind nach Dresden gefahren, haben uns die Villa Shatter in den Radebäule angesehen hatten zehn Karl-May Bücher im Gepäck und haben während der langen Staus auf den Autobahnen denn das war damals tatsächlich eine Katastrophe mit dem Autobahn haben wir uns dann die Lieblingsstellen aus Karl May vorgelesen

00:26:42: Krass!

00:26:43: Also die richtigen Themen zur richtigen Zeit auf die richtige Weise umgesetzt.

00:26:48: Für sie persönlich war Winnetou noch auf eine weitere Weise wichtig beziehungsweise diese Reise, denn die hat sie zu etwas anderem gebracht.

00:26:57: Sie haben gesagt, sie sind dorthin gefahren mit einem Filmreiseführer und sie haben im Anschluss selber Filmreiseführer rausgebracht.

00:27:05: aber für Spanien dann was sind das für Bücher?

00:27:08: Also ich habe gesehen, dass es diese Reihe gab.

00:27:10: Ich fand das faszinierend Filmreiseführer zu machen und habe gesehen was es alles so gab und festgestellt naja Spanien gibt es nicht Und ich liebe Kroatien keine Frage aber Spanian ist als Drehortland nochmal wieder weit aus bedeutender Als kroatien.

00:27:25: und dann habe ich überlegt das müsste eigentlich mal jemanden machen.

00:27:29: und Dann war klar eigentlich muss ich das machen denn ich hab mich jetzt mit spanischem kino seit zwanzig Jahren beschäftigt.

00:27:36: Ich dachte, ich kenne das Land einigermaßen und habe mich dann bei dem Verlag, der diese Reiseführer rausgibt gemeldet.

00:27:43: Und gesagt, na ja, zwanzig-zweiundzwanzig ist Spanien Gastland der Buchmesse Frankfurt.

00:27:48: Das kommt alle dreißig Jahre mal vor.

00:27:49: Es ist also ein Moment wo man da nochmal wirklich den spanischen Themen lancieren kann.

00:27:54: Da war die Bereitschaft auf Verlagseite so etwas zu machen.

00:27:58: Ich konnte auch Fördermittel bekommen, weil solche Reiseführer sind sehr aufwendig zu machen und auch sehr teuer in der Herstellung.

00:28:05: Also in der herstellung des Textes war man ja so viel reisen muss und reisen ist nun mal teuer, sodass man das auch finanzieren konnte.

00:28:11: einigermaßen sage ich mal so Aber das war ein so schönes Projekt.

00:28:14: Ich hab am Ende auch ein bisschen privat reinsteuern müssen, aber das war mir dann auch recht.

00:28:17: Das war einfach eine tolle Sache.

00:28:19: und dann habe ich gesagt machen wir einen Spanienreiseführer?

00:28:21: Habt dann sehr schnell verstanden, dass geht gar nicht!

00:28:24: Denn ein Spanian Reiseführers, das wären über tausend Seiten... Das liest niemand.

00:28:27: und außerdem reißt ja auch niemand durch ganz Spanier.

00:28:30: Und dann habe mich an den Verlag gewählt und gesagt Wir machen doch lieber drei.

00:28:34: Dann haben die erst mal geschluckt und gesagt das können wir nicht finanzieren weil wir fangen damit zwei an.

00:28:38: Ich hatte eine Kollegin aus Madrid Die in der spanischen Filmwelt auch arbeitet und super Kontakt hatte.

00:28:44: Das ist natürlich ganz, ganz wichtig.

00:28:46: man braucht da persönliche Kontakte sonst kann man das nicht gut machen.

00:28:49: Dann haben wir Costa Brava, Barcelona gemacht einmal Und Andalusien und dann ein Jahr später noch Madrid und Umgebung.

00:28:57: Sie sind für diese Reiseführer an die ehemaligen Drehorte von spanischen Filmen gereist.

00:29:02: Man kann jetzt durch diese Bücher dort mit hin reisen sozusagen in Gedanken.

00:29:06: Aber was gibt es denn eigentlich zu sehen?

00:29:08: Die Filmkurs sind längst weg Scheinwerfer sind abgebaut, wie sieht es da aus?

00:29:13: Was beschreiben Sie denn da?

00:29:15: Also der erste Überraschungseffekt ist eigentlich für die meisten Leute welche Filmale in Spanien gedreht wurden.

00:29:22: Ich nenne mal den überraschendsten überhaupt nämlich Dr.

00:29:25: Chivago.

00:29:26: Dr.Chivago verbinden wir mit den weiten Ebenen Russlands vielleicht auch mit Schneebedeckten Feldern und so weiter.

00:29:33: aber Chivaco ist zu neunzig Prozent bis auf ein paar Außenaufnahmen die in Kanada entstanden sind in Spanien entstanden.

00:29:39: Wenn man genau hin sieht, dann sieht man auch an dem warmen Licht in manchen Szenen dass das eigentlich Spanian sein könnte.

00:29:46: und die große US-amerikanische Filmindustrie hat Spanier aus bestimmten finanziellen Gründen in den fünftiger Jahren entdeckt.

00:29:54: In den sechziger Jahren gab es einen großen Boom auch ausgelöst von dem unglaublichen Erfolg des Films Lawrence von Arabien mit Zich Oskars der nicht alleine in Spania aber doch zu einem wichtigen Teil, zu einem großen und auch einem visuell sehr präsenten Teil in Spanien gedreht wurde.

00:30:11: Und dann ist eigentlich klar gewesen mein Gott wir können einiges in Spania alles drehen!

00:30:15: Wir haben die Sicherheit eines europäischen Landes.

00:30:17: Wir haben relativ geringe Kosten, wir haben Infrastruktur... Wir haben gutes Personal und den Rest bringen wir selber mit.

00:30:24: Und dann hat das also wirklich da erst mal gebohmt und da sind sehr viele Filme entstanden, die mich auch als Jugendlicher und auch heute noch beeindrucken.

00:30:32: Zum Beispiel die Italo-Western von Sergio Leone, was die Ästhetik Fotografie, Choreographie, Filmmusik angeht, auch einfach Kapitel in der Filmgeschichte gewesen sind.

00:30:41: Ja, und die sind ja eigentlich alle in Spanien gedreht worden.

00:30:44: Das war so wirklich für mich auch erstmal eine große Entdeckung.

00:30:48: Und dann zu schauen wo ist das gewesen?

00:30:50: Wie sieht das heute aus?

00:30:51: Wir haben ja in Spanien die einzige Wüste Europas, sagt man immer.

00:30:55: Das ist die Wüstel von Tabernas oder bei Tabernass und da sind eben ganz, ganz wichtige Drehorte aus diesen ganzen Filmen.

00:31:02: Und dass es eine Landschaft, in der sich Erinnerungen an Filme mit beeindruckender Landschaft zu verbinden.

00:31:10: Ich fand das einfach eine tolle Kombination zu reisen.

00:31:14: und dann gibt's natürlich noch sehr viel Kulturelle.

00:31:16: also in Spaniens haben wir ja einzigartige Europa eine maurische Phase, die auch Bauten hinterlassen hat.

00:31:22: Die Palette der Alhambra ist natürlich das bekannteste.

00:31:25: Also arabischer Einflüsse?

00:31:26: Arabischer Ein Flüsse.

00:31:28: und wenn ich jetzt nach Sevilla fahre oder nach Granada wo die Alhamba ist oder in Sevilla gibt es das natürlich auch dann habe ich da tausend Sachen und weiß gar nicht wo soll ich denn anfangen.

00:31:36: Und das hat eigentlich alles keinen Bezug zu mir Wenn ich dabei jetzt ein Film habe.

00:31:41: Nehmen wir jetzt mal ein aktuelles Beispiel.

00:31:43: Game of Thrones hat ab der fünften oder sechsten Staffel sehr stark in Spanien gedreht und ganz, ganz tolle Drehorte da verwendet also auch landschaftlich wahnsinnig beeindruckend Und ich habe Game Of Thrones gerne gesehen.

00:31:55: dann hab' ich doch schon anknüffungspunkt und kann sagen Ich guck mir jetzt den Al-Qassar von Sevilla nicht nur wegen der ganzen Geschichte an das sind ja hunderte von Jan es ist ja total willkürlich sondern ich gucke erst einmal was ist denn mein Bezug?

00:32:06: Was ich da schon irgendwie gesehen habe möchte ich mal live erleben.

00:32:10: Und das ist auch so ein Zugang über Film und Fernsehen zu Kultur, zu Landschaften und zur Geschichte der erstmal sehr persönlich ist und der Interesse einfach weckt.

00:32:18: Denn ansonsten steht man von riesigen Wust an Informationen und weiß gar nicht soll ich mich jetzt für sechzehnte, siebzehnte, achtzehn oder neunzehnten Jahrhundert interessieren.

00:32:26: Das ist einfach so einen Aufhänger um da reinzukommen.

00:32:28: Das fand ich faszinierend sozusagen als pädagogisches Mittel dieser Filmreiseführer.

00:32:32: Denn Filme gucken ist was sehr Persönliches, Filme sind sehr emotional und wir haben durch den Film dann eben eine Verbindung zu dem Ort.

00:32:40: Und über diese Verbindung glaube ich kann man eben nochmal anders diesen Ort entdecken.

00:32:45: Dann macht es natürlich auch ein bisschen Spaß!

00:32:47: Es ist eine detektivische Aufgabe herauszufinden das wurde hier gedreht ja aber wo genau?

00:32:54: Ich will nicht sagen Millimeter, aber es geht um Meter auf jeden Fall.

00:32:57: Und wenn man in einer riesigen Landschaft steht dann ist das gar nicht so einfach.

00:33:00: Das ist ein bisschen so ein Geländespiel, das hat sehr viel Spaß gemacht und da will man natürlich einen Foto machen was in etwa die Einstellung aus dem Film reproduziert Und man kann sich dann auch selber fotografieren.

00:33:11: Guck mal, hier bin ich bei Indiana Jones oder so und das ist heute in der Welt von Instagram für die Leute auch ganz nett.

00:33:17: Also man kann da ein bisschen mit rumspielen.

00:33:19: Da kamen eigentlich eine ganze Menge Sachen zusammen in diesen Reiseführern.

00:33:22: Das hat unglaublich viel Spaß gemacht!

00:33:25: Manchmal ist es dekungsgleich.

00:33:26: Sagen Sie, man kann hingehen und dann sich genauso fotografieren aus dem gleichen Blickwinkel wie damals die Kameraeinstellung war.

00:33:32: Manchmal sind aber wahrscheinlich auch so dass in den Filmen was festgehalten ist, was jetzt heute gar nicht mehr so da ist.

00:33:38: also ist das ein bisschen nachspüren von dem wie das damals war.

00:33:42: Das Thema Drehorte ist tatsächlich in den letzten fünfzehn Jahren relativ groß geworden und wir erleben gerade vor allen Dingen Spanien, weil Deutschland einfach nicht ein gutes Beispiel dafür ist.

00:33:53: Denn in Spanier wurde so viel gedreht dass die Filme entdecken als einen Teil des kulturellen Erbes also genau das was sie grade sagen.

00:34:01: Die Landschaften von vor fünfzig sechzig bald siebzig Jahre sind da noch festgehalten.

00:34:08: es gibt ein Beispiel das man da immer nennen kann das sind die Dünen am Cabo de Gata.

00:34:12: Cabo de Gata ist ein Naturschutzgebiet, da darf man nicht bauen.

00:34:15: Aber daneben gab es eine große Dünenlandschaft.

00:34:18: Da sind zum Beispiel sehr viele Szenen aus Lawrence von Arabien gedreht worden.

00:34:22: Also immer wenn man irgendwie Sandwüste brauchte und in Europa drehen wollte dann ging jemand dahin.

00:34:27: Denn wenn man die Kamera richtig hinstellt, dann sammelt man nur noch so Sandhügel Und das sah aus wie in der Sahara Der Baubuch mit den neunziger Jahre, da sind sie dann mit Lastern gekommen und haben den Sand abgetragen und da ist nichts mehr übrig geblieben.

00:34:40: Die Landschaft ist weg.

00:34:42: Da ist Conan der Barbar gedreht worden, Lawrence von Arabien, Zeig Lorreicher Lunken und so weiter also überall wo sie Wüsten sehen haben ist es da gedreet worden und die Landschaft is verschwunden.

00:34:51: Und dann steht man ein bisschen davor und ist auch etwas wehmütig und erkennt dann dass auch ein Spielfilm der total fiktiv ist Dann doch Züge eines Dokuments hat und das teilweise.

00:35:05: Es gibt da so ein Hotel auf Mallorca in einer kleinen Bucht, bei einem Agatha Christie.

00:35:09: Roman wurde da verfilmt und das war ein Hotel... ...das war eine Nationen gebaut worden, das war eigentlich illegal.

00:35:15: Man hat also das Hotel abreißen müssen!

00:35:16: Das gibt es dann nicht mehr.

00:35:18: Es gibt aber kaum Fotos davon.

00:35:20: Aber in dem Film ist das der Haupthandlungsort.

00:35:22: Das heißt wir haben eigentlich einen Film als historisches Dokument für dieses Hotel dass es nicht mehr gibt als weiteres Beispiel dafür.

00:35:30: Im geht's wenn ich das richtig verstanden habe ja auch nicht nur um die realen Drehorte, sondern auch um diese filmischen Räume die als Konstrukt-, als Fantasieprodukt sozusagen entstehen im Film.

00:35:39: Ich habe ein bisschen durch die Reiseführer natürlich geblättert in der Vorbereitung und bin da auf einen Eintrag zum Parfüm von Patrick Süßkind gestoßen, der ja eigentlich in Paris spielt aber eben in der Nähe von Barcelona oder auch in Barcelona gedreht wurde.

00:35:52: Da schreiben Sie was über den Fischmarkt, auf dem der Protagonist geboren wurde.

00:35:57: Der ist im Buch ganz extrem beschrieben wie es da stinkt.

00:36:00: also die Gerüche machen ganz viel in Parfüm natürlich aus für den Eindruck der Gefühle sozusagen.

00:36:06: und jetzt ist ja bei Film eigentlich etwas ohne Gerüchen.

00:36:10: funktionieren muss im Kino.

00:36:11: Also trägt dann auch der filmische Raum sozusagen nochmal eine andere Aufgabe noch mal andere Ebenen damit reinzubringen Fantasieprodukt filmen sozusagen und nicht aus der Realität?

00:36:24: Ja, das ist ein gutes Beispiel.

00:36:25: Das Sie dann nennen ganz kurios war bei der Produktion das Parfüm dass es eine eigene Abteilung gab für Dreck.

00:36:33: also das Problem ist ja genau wie sie gesagt haben Wie können wir Gerüche visualisieren?

00:36:39: Und das hat man eben versucht indem man künstlich Dreck herstellte.

00:36:44: und dieser kleine Platz in Barcelona wo dieser Fischmarkt dann simuliert wurde Da wurden natürlich diese ganzen Stände aufgebaut, aber der wurde auch mit sehr viel Dreck sozusagen beschmiert um den unkenntlich zu machen.

00:36:58: Einmal aber auch um diesen Gestank in wie visuell erahnbar zu machen.

00:37:02: einmal das und dann war die andere Frage dass Paris des achtzehnten Jahrhunderts das gibt es ja nicht mehr.

00:37:07: Paris ist ja im neunzehnte Jahrhundert stark umgestaltet worden mit den großen Bulle wars die wir heute unter paris kennen.

00:37:15: Paris war vorher die Altstadt auch ein Labyrinth und das ist aber alles abgerissen worden.

00:37:20: Und wo haben wir noch eine Stadt, die aussieht wie Paris und auch noch dieses labyrinthische Viertel hat?

00:37:26: Das ist tatsächlich das gottische Vierteil von Barcelona!

00:37:29: Da hat man sich dann entschieden... Wir gestalten das mit unserer Abteilung Dreck und unseren Dekorateuren so dass wir aus Barcelona Paris machen.

00:37:40: Großartig geklappt, muss man sagen.

00:37:42: Der visuelle Eindruck ist perfekt in diesem Film.

00:37:45: Also ganz verschiedene Ebenen an Räumen die realen Räume die man besuchen kann, die virtuellen Röme die dort geschaffen wurden.

00:37:52: eine spannende Lektüre egal ob man dem hinterher reißt oder nicht.

00:37:56: auch aufm Sofa kann man dem her reisen.

00:37:58: also

00:37:58: ich hatte der Setzer hat mir gesagt Ja, er wird ja gar nicht reiselustig.

00:38:04: Aber er fängt das so witzig zu lesen, wo das alles gedreht wurde?

00:38:07: Man müsste da gar nicht mit den Reisen reisen, weil man könnte das so lesen!

00:38:10: Das fand ich kurios.

00:38:11: Vor allem eben mit den Filmen wenn man die dann dazu schaut und vergleicht was sie da alles rausgefunden haben.

00:38:17: Sie sind ein großer Fan des spanischen Kinos und haben ganz viele Jahre dazu schon geforscht.

00:38:26: in Regensburg dem spanischen Film verschrieben und zwar sind sie eng verbunden, dem spanischem Filmfestival Cines Cultura.

00:38:33: Was ist da Ihre Aufgabe?

00:38:34: Wie sind Sie da verbandelt?

00:38:36: Also aufgebaut wurde das Festival von unserem lieben Kollegen Pedro Alvarez.

00:38:40: der macht jetzt die neunzehnte Ausgabe also fast zwanzig Jahre.

00:38:44: aber Pedro ist jetzt in den wohlverdienten Ruhestand oder Unruhrstand getreten.

00:38:51: Er hat ein großes, schönes Festival draus gemacht was sehr, sehr facettenreich ist.

00:38:56: Das Spanienzentrum hat ihn immer dabei unterstützt und wir haben zum Beispiel mit den Studierenden Untertitel gemacht für Filme die keine englischen Untertiteln hatten, da haben wir auf Deutsch Untertitels gemacht.

00:39:06: das konnte man toll als Projektarbeit machen mit den Studenten.

00:39:10: Wir haben auch immer wieder Veranstaltungen parallel gemacht die dann eingeflossen sind ins festival.

00:39:15: ich bin regelmäßig in Malaga auf dem Filmfestival, auf der Suche nach Filmen die auch bei uns aufm Festival laufen können.

00:39:22: Und jetzt ist es so dass wir das Festival natürlich gerne fortführen möchten.

00:39:26: Personell haben wir nicht so die Möglichkeit das in der Größe weiterzuführen.

00:39:31: deswegen werden wir das als Biennale machen nach siebenundzwanzig also noch dieses Jahr und nächstes Jahr und möchten das gerne halten und dann eben vom Spanienzentrum aus weiter fortführen.

00:39:45: Das ist im Moment etwas, woran wir

00:39:47: arbeiten.".

00:39:48: Und Sie übernehmen ab Herbst die Leitung dieses Filmfestivals?

00:39:52: Was begeistert Sie so am spanischen Film?

00:39:55: Also erst mal begeisterte mich daran dass es ein Zugang ist zur Kultur- und Sprache und zu dem Land.

00:40:01: also mein erster Aufsatz zum spanischen film da ging's um die Darstellung der Stadt Madrid in Kino weil mir aufgefallen war, dass Madrid in den neunziger Jahren plötzlich unglaublich präsent ist oder bestimmte Teile von Madrid unglaublich Präsent sind.

00:40:15: Da habe ich noch nie über Dreiseführer, da habe ich überhaupt nicht drüber nachgedacht aber das Thema war einfach schon da der filmische Raum und da bin ich dann dadurch so ein bisschen da reingekommen.

00:40:24: Dann muss man sagen die Romanistik ist ein Fach des neunzehnten Jahrhunderts Und wir wissen alle Die akademische Welt hat nicht... ...die Verjüngungsprozesse sind langsam.

00:40:36: Man macht Literaturen Sprache und dann macht man das jetzt erst mal hundert Jahre.

00:40:40: Jetzt haben wir aber auch schon seit vuhrneunzig Filmen, aber in der Romanistik gab es eigentlich keine wirkliche Tradition von Filmwissenschaften.

00:40:49: So gut wie gar nicht!

00:40:50: Es gab ein paar Leute die das gemacht haben so Pioniere, aber sobald sie dann im Meditiert waren oder im Ruhestand war das wieder weg.

00:40:56: also es hat nichts etabliertes gegeben.

00:40:58: Auch bis heute gibt's eigentlich keinen Lehrstuhl in Deutschland-Romanistik für Filme, da gibt´s immer noch nicht.

00:41:02: Das ist eigentlich ein Unding.

00:41:04: Wenn man sich jetzt mal anschaut, wir leben in einer audiovisuellen Welt Wir bilden Lehrer und Lehrerinnen aus.

00:41:10: Ich liebe Literatur aber wir können das nicht darauf beschränken.

00:41:14: Wir müssen unsere jungen Leute auf eine audiovisuelle Kompetenz vorbereiten.

00:41:19: Es ist ganz wichtig und wir sehen ja auch was das Internet eben Nicht zu einer allgemeinen Demokratisierung geführt hat sondern Auch mit KI und digitalen Bildern braucht man einfach eine Kritikfähigkeit, was das audiovisuell angeht.

00:41:34: Und das kann man am Film alles sehr gut sowieso lernen und dann kommt natürlich noch das Sprachliche

00:41:39: hinzu.".

00:41:40: Das heißt also meinen Sie es ist auch so ein bisschen snobistisch sozusagen dass man an der Uni über Bücher seine Hausarbeiten schreibt aber über Filme nicht weil das irgendwie einfach nur eine andere Medienform ist und deswegen ist es wissenschaftlich jetzt nicht so viel wert?

00:41:53: Ich will niemanden was Böses unterstellen, aber es ist einfach so wenn die Tradition einmal existiert dann reproduziert sie sich ständig selber und da müssen eben Leute kommen die einfach versuchen damit mal zu brechen.

00:42:05: Das ist nicht so einfach.

00:42:06: ich mache das jetzt ja schon seit zwanzig Jahren.

00:42:08: Aber institutionell!

00:42:10: Ich habe zwar Bücher auch deswegen extra konzipiert damit einfach mal Handbücher da sind auf Deutsch dass man sagen kann ich will mich über spanisches Kino informieren Was gibt's denn dafür einen Kanon?

00:42:22: Und da haben wir jetzt ein Buch, das gibt es jetzt.

00:42:23: Das ist einfach da!

00:42:24: Das war so das Erste was ich gemacht habe, weil ich dachte da muss einfach eine Infrastruktur erstmal an Büchern und Grundlagentexten geschaffen werden.

00:42:32: Aber institutionell bin ich trotz meiner Bemühungen auch nicht sehr weit gekommen bisher Denn Institutionen verändern sich nicht oder sehr langsam nur, das ist sehr schwer.

00:42:41: Es wird weiterhin im Staatsexamen nur Literatur geprüft.

00:42:45: Und wenn man sich jetzt mal Frankreich anschaut und sagt, na ja, Frankreich ist das Land wo der Film entstanden ist.

00:42:50: Und französische Identität ist mit Filmen ganz, ganz eng verbunden.

00:42:54: Wenn sie in Frankreich ins Kino gehen dann haben Sie da alle Generationen im Kino.

00:42:59: Und dass wir das nicht in unserem Fach abbilden, das finde ich es ein Versäumnis.

00:43:03: Das geht einfach nicht!

00:43:05: Und mittlerweile ist es ja so, dass das schon wieder ein alter Hut ist was Ich mache.

00:43:09: denn als ich mit film anfing dachte ich Ja das ist ja mein was ganz neues.

00:43:13: aber Die Studierenden wachsen ja gar nicht mehr mit Film auf.

00:43:16: Das Format neunzig bis hundertzwanzig Minuten ist für die auch schon langweilig, hab ich zu lange!

00:43:21: Die gucken entweder ganz kurz Videos im Stil von TikTok oder YouTube-Videos... ...oder sie gucken sich auf Plattformen Serien an und machen eine Serie meiner Achtung.

00:43:28: Also diese Filmsozialisation, die wie ich erlebt habe, die gibt es heute schon nicht mehr.

00:43:32: Also ist der Film eigentlich schon wieder ein bürgerliches Medium so der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts bis Anfang den zweiten Jahrhundert.

00:43:41: Also so schnell verändert sich das alles.

00:43:43: Aber ich denke trotzdem, muss da was gemacht werden?

00:43:45: Das muss integriert werden... Es ist ja auch keine Konkurrenz zur Literatur!

00:43:50: Das soll es gar nicht sein.

00:43:51: Das Problem ist einfach in den Lehrplänen wird es dann zu Konkurrents Denn sie sind sowieso voll die Lehrplähne.

00:43:58: Wo sollen wir jetzt noch Film reinkriegen?

00:44:00: Das geht nur wenn man etwas anderes rausnimmt Und das ist sehr schwer zu sagen.

00:44:05: Wir machen jetzt mal ein Literaturseminar weniger und machen mal filmverpflichtend.

00:44:10: Das gibt es in ganz Deutschland, in der Romanisik immer noch nicht.

00:44:13: Soweit ich weiß.

00:44:14: Ist mir nicht bekannt!

00:44:16: Es ist schon verrückt irgendwie.

00:44:17: Eigentlich verrückt ja... Wir haben's jetzt schon mehrmals erwähnt des Forschungszentrums Spanien bei Ihnen am Lehrstuhl.

00:44:24: Dort findet unter anderem solche Forschung eben zu Filmen statt aber auch zu ganz vielen anderen Themen.

00:44:29: Können Sie uns kurz umreißen weil wir den Begriff hier schon mehr mal genannt haben?

00:44:33: Was ist denn dieses Forschungs-Zentrum für eine Einrichtung?

00:44:37: Also eine Forschungseinrichtung?

00:44:39: Wir betreuen Promotionen.

00:44:42: Das wollen wir auch noch ein bisschen forcieren, also wir haben eine Promovente in der Zeit die zu einem spanischen Thema da forscht und werden jetzt eine Promowenten aus Spanien als Gast haben.

00:44:53: das ist auch nicht das erste Mal dass Leute aus Spaniens kommen und paar Monate bei uns verbringen und sich da auch neue Kooperationen ergeben.

00:44:59: das ist die eine Seite also Forschung auf der Promotionsebene mit Nachbuchsförderung Und das ist eben die Chance, neue Leute einzuladen oder auch Verbindungen zu vertiefen.

00:45:10: Die wir bereits haben und das zweite Medium was wir da haben oder das zweite Mittel.

00:45:16: Das ist eine Zeitschrift, die vor einigen Jahren gegründet wurde.

00:45:18: Die neunte Nummer wird jetzt bald erscheinen.

00:45:21: Die heißt Studios Kulturales Hispanikus also spanische Kulturstudie wenn man es mal so übersetzen will.

00:45:27: der Name ist sehr offen gehalten damit wir da möglichst viel reinpacken können Denn wir möchten gerne zwei Nummern pro Jahr herausgeben.

00:45:36: Das ist eine Zeitschrift, die eben auch dazu dient einen Sichtfenster in die Welt zu sein.

00:45:40: Das heißt, wir polizieren da grundsätzlich nur auf Spanisch.

00:45:43: das ist schon sehr, sehr auffällig weil wir natürlich nicht sehr viel Personal haben.

00:45:48: und dadurch dass ich das leite jetzt ist natürlich der Schwerpunkt filmen, weil ich eben auch glaube, dass da noch ein Bedarf ist.

00:45:54: Und natürlich kommt hinzu Ich mache das jetzt schon viele Jahre.

00:45:57: Ich bin dementsprechend auch in Spanien sehr gut vernetzt mit vielen Kollegen aus Spanier.

00:46:03: Und da ist es eben so, dass ein Projekt wieder neues Projekt hervorbringt.

00:46:08: Das ist wie so ein Kettenblied.

00:46:10: Man macht etwas und stellt fest, ah ja dann müssen wir in die Richtung weitermachen.

00:46:14: Deswegen hat diese Zeitschrift einen Filmschwerpunkt.

00:46:18: Kommen wir weg von Spanien hin nach Frankreich?

00:46:22: Aber wir bleiben beim Abenteuer Roman.

00:46:26: Ein weiterer Forschungsschwerpunkt, das Sie haben Ihnen vorher schon erwähnt, ist Alexandre Düma der Schriftsteller.

00:46:32: Auch er ist extrem viel gereist, also auch da haben wir vielleicht nochmal eine Verbindung.

00:46:38: Sie haben eine Biografie über ihn geschrieben mit dem Titel Alexandre Duma, Der vierte Musketier.

00:46:45: Bevor wir weiter sprechen habe ich was kleines vorbereitet denn als ich mich ein bisschen in Duma eingelesen hab Da bin ich über so viele Kuriositäten gestoßen in seiner Biografie, dass ich gedacht habe die müssen wir irgendwie auf jeden Fall mit unseren Hörerinnen und Hörern teilen.

00:47:02: Jetzt haben sie zweihundertsiebzig Seiten über die Marke geschrieben und ich überrasche sie bestimmt mit nichts mehr.

00:47:08: es wird jetzt bestimmt ganz einfach für Sie aber wir spielen eine Runde wahr oder falsch?

00:47:12: Ich hab Fakten und ein paar Fakes zu Alexandre Dumas zusammengetragen und sie sagen mir einfach stimmt oder stimmt nicht?

00:47:18: okay?

00:47:19: Schauen wir mal!

00:47:24: Duma hat über sechshundert Werke geschrieben, quasi in Serienproduktion und sehr oft zusammen mit fest angestellten Ghost-Writern.

00:47:33: Jain!

00:47:34: Das muss man ein bisschen kommentieren, weil das so ein zentraler Aspekt ist warum Duma in Deutschland nicht erforscht wurde und von der Romanistik beiseite gelassen wurde.

00:47:43: Dürfen Sie gleich genauer sagen?

00:47:44: Okay also Jain ist die Antwort.

00:47:47: Nächste Frage.

00:47:48: Weil er Fan war lieferte Duma Waffen an den italienischen Freiheitskämpfer Garibaldi bezahlt aus seiner eigenen Tasche.

00:47:54: Das ist richtig.

00:47:55: Dumas Oma war eine versklavte Frau aus Haïti, sein Vater ein Adler und einer der ranghöchsten Generäle der französischen Revolutionen und seine Mutter ist in einem Wirtshaus groß geworden.

00:48:05: Das ist Richtig!

00:48:07: Dumar ließ sich ein spezielles Arbeitszimmer bauen, indem jede Wand eine andere Farbe hatte um verschiedene Genres zu inspirieren.

00:48:14: Das is mir nicht bekannt!

00:48:15: Stimmt das habe ich erfunden.

00:48:17: Duma lieferte sich mit einem Schriftstellerkollegen einen Pistolen-Duell wegen eines Urheberrechtsstreits.

00:48:23: Das ist richtig und das war nicht das einzige Duell.

00:48:25: Ach was, dürfen Sie nachher gerne auch noch mehr erzählen!

00:48:28: Dimar wurde einmal aus einem Restaurant geworfen weil er darauf bestand seine Rechnung mit einem selbstgeschriebenen Gedicht zu bezahlen?

00:48:34: Ist mir nicht bekannt.

00:48:36: Stimmt, habe ich erfunden.

00:48:38: Dimar gründete eine eigene Zeitung und ein eigenes Theater die beide spektakulär bankrott gingen.

00:48:44: Ja...das ist richtig.

00:48:46: Es waren aber fünf Zeitungen insgesamt Nicht nur eine.

00:48:49: Ach was Duma schrieb Teile seiner Romane im Bett, umgeben von geladenen Pistolen aus Angst vor seinen Gläubigern.

00:48:56: Das scheint mir auch erfunden zu sein!

00:48:58: Erfunden ja... Duma war zeitweise Leiter der Ausgrabungen in Pompey und war der erste, der dort Eintrittsgelder für Besucher einführte?

00:49:07: Ja er war lange in Neapel und hatte da auch eine Direktorenposition.

00:49:12: das Detail mit Pompey habe ich jetzt nicht.

00:49:15: kann sein, kann sein.

00:49:17: Also ich hab's als wahr gefunden.

00:49:19: Dumar baute sich sein eigenes Schloss namens Chateau du Monte Cristo, insgesamt Mini-Schloss auf dem Gelände nur zum Schreiben.

00:49:27: Das ist so richtig!

00:49:28: Dumar hielt sich einen privaten Zoo mit exotischen Tieren darunter Affen und ein Gaia.

00:49:33: Stimmt auch...

00:49:34: Und Dumar hatte zeitweise über vierzig geliebte gleichzeitig die er in einem eigenen Liebesregister dokumentierte.

00:49:41: Also er hat behauptet er hätte fünfhundert Kinder in ganz Europa.

00:49:44: Dass es übertrieben, er hatte sehr viele Geliebte aber die waren nicht parallel vierzig und ein Register ist mir auch nicht bekannt.

00:49:51: Das stimmt!

00:49:52: Sie haben alles richtig gemacht hervorragend abgeschnitten vielen Dank.

00:49:57: Also wir merken schon auch wenn ich das eine oder andere dazu erfunden habe dass was wahr ist reicht schon aus für ein höchst kurioses Leben.

00:50:04: Was begeistert sie denn so an Duma dass sie im ganzes Buch gewid mit haben?

00:50:08: Duma is wirklich eine eigene Welt für sich Eine unglaubliche Kreativität Eine wahnsinnige Schaffenskraft, eine Arbeitsleistung die unvorstellbar ist und das Ganze in einer Zeit in der lipopuläre Kultur eigentlich entsteht.

00:50:28: Und Yuma war für mich der erste Superstar der Medienwelt damals natürlich Theater und Zeitungen und Zeitschriften.

00:50:37: Der ist also für die bürgerliche Gesellschaft ein faszinierendes Phänomen.

00:50:44: Und dann kommt eben diese außergewöhnliche Familiengeschichte hinzu, um die Marranken sich sehr viele Legenden.

00:50:51: Deswegen das was sie da teilweise erfunden haben ist sehr gut erfunden.

00:50:56: Das könnte tatsächlich auch so sein oder auch irgendwo mal stehen denn man hat ihm immer vorgeworfen der sei ja so eitel er würde dafür sorgen dass jeden tag über ihn etwas in der Zeitung stünde.

00:51:06: Ich habe gelesen, dass er in seinem Schloss auch seinen eigenen Namen und die Namen seiner Werke hat eingravieren lassen.

00:51:12: In

00:51:14: einem Nebengebäude des Schlosses, das er nur zum Schreiben hatte – es sind zwei Gebäude im Nebengebau des Schlostes, Chateau-Diefert hat er das genannt wie das Gefängnis bei Marseille.

00:51:24: Und da hat er von seinen Erfolgen tatsächlich die Namen in den Stein meiseln lassen.

00:51:29: Daraus ist das gebaut sozusagen.

00:51:31: Das ist das Schloss.

00:51:32: Es ist gebaut aus seinen.

00:51:34: Er folgen auf der Theaterbühne, weil er zunächst als Theater-Schriftsteller begonnen hat.

00:51:39: Er hat auch hundert Theaterstücke verfasst insgesamt – das weiß man heute nicht so, weil wir ihn als Romancier vor allen Dingen kennen und hat sozusagen dadurch verewigt, dass er die Metapher ist.

00:51:49: ja... Das ist der Mann des neunzehnten Jahrhunderts!

00:51:53: Der hat nicht geerbt, der hat aus eigener Kraft sich selbst erschaffen mit seiner Kreativität.

00:51:59: Das ist ein bisschen das Bild was er davon sich aufbaut.

00:52:02: Wenn es jetzt so eine schillernde Figur ist mit so vielen Romanen und jeder kennt den Namen, warum haben Sie dann da eine Biografie geschrieben?

00:52:09: Da gab's doch bestimmt schon ganz viel.

00:52:11: Die deutsche Romanistik und in Deutschland generell hat man kurioserweise nach dem Ersten Weltkrieg den Bezug zu Dymar weitgehend verloren also bis zum ersten Weltkrig war Dymarr der meist ausgeliehenste Autor in den damals noch existierenden Leibuchhandlungen.

00:52:30: Die Kriege sind ja immer ein kultureller Einschnitt und dann bricht das so ein bisschen weg.

00:52:34: Und die Romanistik hat sich also nie großartig mit... ...die deutsche Romanistika-Mitümer beschäftigt, man hat den abgetan als Massenproduktion und als populäre Literatur.

00:52:46: Dann kam hinzu, dass die Übersetzung dann im zwanzigsten Jahrhundert oft sehr stark verändert wurden von den Verlagen.

00:52:53: Die ersten Übersetzungen sind meist noch ganz in Ordnung aber das ist halt die Sprache des neunzehn Jahrhunderte.

00:52:56: sie kann man heute nicht mehr gut lesen.

00:52:58: Das sind sehr umfangreiche Romane Das tut sich kein Mensch an.

00:53:01: Zwanzigste Niveau hat man angefangen mit den Texten so rumzuspielen, sogar im Inselverlag wo man ja sagen will das ist ein renommierter deutscher Verlag da die Ausgabe des Grafen von Monte Cristo ist etwa fünfzig Prozent des Originaltextes.

00:53:13: und wenn sie fünfzig prozent kürzen heißt dass Sie müssen jeden Satz überarbeiten.

00:53:17: Da ist nichts mehr von Dümmer übrig außer sage ich mal der Inhalt grob ne?

00:53:22: Das heißt es ist gar nicht so einfach in Deutschland überhaupt wirklich den echten Dümer zu lesen.

00:53:26: Es gibt so viele spannende Texte, die kriegen sie überhaupt nicht auf Deutsch.

00:53:30: Und da ist glaube ich eine Menge verloren gegangen und das wusste ich natürlich auch vorher nicht so richtig.

00:53:34: Ich habe mich dann dann eingearbeitet und dann hab' ich festgestellt mein Gott in Frankreich ist die Rehabilitierung du Mars seit zwei tausendzwei im vollen Gange.

00:53:43: Du Mars ist zweitausends zwei ins Pontillon überführt worden Und seitdem hat sich

00:53:48: seine Grabstätte verlegt worden.

00:53:49: Genau, also als einer der Helden der Nation und seit dem hat sich dort eine relativ große Forschungsgemeinschaft entwickelt die über Düma forscht.

00:53:59: jetzt die letzten paar Jahre haben wir es noch gesehen da kamen Neuverfilmungen wie der Graf von Monte Cristo mit zehn Millionen Filmbesuchern in Frankreich das werte so ein Auto natürlich auch wieder mal auf und sie finden also in den französischen Buchhandlungen eine ganze Abteilung Düma weil auch andere Texte wieder neu aufgelegt werden und so weiter.

00:54:19: Dieser Prozess ist in Deutschland nicht stattgefunden, das ist sehr schade, weil Dyma ein heute immer noch sehr lesbarer, sehr interessanter Autor ist der uns ganz viel zu sagen hat über französische Geschichte allgemein und er selbst als Phänomen durch seine Biografie aus seiner Herkunftsfamilie so viel Geschichte mitbringt, dass er einfach auch ein ganz spannendes Thema ist.

00:54:43: Und das ist so schade, dass man das nicht berücksichtigt hat und das sehe ich noch ein bisschen als meine Aufgabe an.

00:54:49: Dymar klingt ja das Großspur, ein bisschen zu rehabilitieren in

00:54:52: Deutschland.".

00:54:54: Sie meinten gerade bei dem Quiz, dass mein Fakt oder Fake mit den Ghostwritern und den sechshundert Büchern nicht so ganz stimmt?

00:55:02: Und dass das was eben mit dieser Rehabalitation oder mit dem Nichterkennen des Wertes zu tun hat – was haben sie da

00:55:07: gemeint?".

00:55:07: Also mit den sechshundert Werken muss man sagen, das sind etwa fünfhundert Bände.

00:55:13: Was heißt das?

00:55:15: Die meisten seiner Romane sind ja als Föechthornromane erschienen und die Verlage haben natürlich damals auch schon versucht Texte in verschiedenen Versionen zu vermarkten.

00:55:26: Das heißt erst mal wurden sie vermarktet als Lieferungsromanen.

00:55:30: wenn dann aber hundert Seiten geliefert waren in der Zeitung hat man einen Band daraus gemacht.

00:55:34: Dann hatte man band eins.

00:55:36: Jetzt ist der Raphomonte Christo, tausend sechshundert Seiten lang.

00:55:39: Dann haben sie am Ende sechzehn Bände.

00:55:40: Sie haben einen Roman aber sechziehn Bende.

00:55:42: Wenn man das jetzt mal überträgt auf die Massewerke dann kommen wir auf fünfhundert Bände Aber nicht auch fünfhundert Werke.

00:55:49: Deswegen Jein So halbrichtig, aber man muss es erklären damit man's versteht Mit der Festanstellung.

00:55:57: Das ist übertrieben.

00:55:58: Also Es ist in vielen Bereichen der Kunst vollkommen normal dass man Mitarbeiter hat.

00:56:04: Fragen Sie man bildenden Künstler.

00:56:07: Schon vor Jahrhunderten, die hatten ihre Ateliers mit ihren Mitarbeitern.

00:56:11: Ein Theater, ein Film ist immer ein kollektives Werk.

00:56:15: Aber die Literatur darf es nicht sein!

00:56:17: Das ist so die kuriose Vorstellung stark geprägt von der Romantik.

00:56:22: Das Originalgenie und da darf kein anderer mitmachen, sonst ist das kein reines Werk mehr.

00:56:28: Und das war für Dümann Problem.

00:56:29: Der hat so viel geschrieben, dass er das natürlich nicht alleine machen konnte.

00:56:35: Er hatte einen idealen Mitarbeiter gefunden, einen jungen Romantiker namens Auguste Marquet.

00:56:40: Dieser Marquet war ein bisschen jünger als Duma hat der selber schriftzellerische Ambition und war aber sehr froh, dass sozusagen von Duma unter die Fitterche genommen wurde und angeleitet wurde und der hat Recherchen gemacht, der erste Version geschrieben.

00:56:54: Man muss sich das als kreatives Team vorstellen.

00:56:56: Duma war immer der Chef dabei!

00:56:59: Das heißt, die haben sich hingesetzt und haben gesagt, wir haben jetzt eine Romanidee.

00:57:05: Wie strukturieren wir das jetzt?

00:57:06: Und dann geht es immer sozusagen vom Allgemeineren zum Genaueren.

00:57:12: in dem Kapitel muss das und das passieren.

00:57:14: Mark Heer hat dann eine erste Version geschrieben, die von Düma überarbeitet wurde.

00:57:19: Düma hatte eine unglaubliche Fähigkeit quasi fehlerfrei zu verfassen also aus dem Stehgreif.

00:57:25: Sein erster Job war als Schreiber, der hatte eine unglaublich schöne Handschrift und hat deswegen einen ersten Job bekommen.

00:57:31: Als Schreber, als Kopist im Büro des späteren französischen Königs Ludwig Philipp.

00:57:36: Der hatte die Fähigkeit sich hinzusetzen und Bögen voll zu schreiben.

00:57:39: das konnte man so drucken.

00:57:41: Und er hatte ein unglaubliches Gedächtnis.

00:57:44: Man behauptet er hätte achtzehntausend verse auswendig aufsagen können.

00:57:48: Das sind natürlich für hohe Produktionen zwei wichtige Voraussetzungen.

00:57:51: Ein wahnsinniges Gedächtnis muss er gehabt haben, also das ist faszinierend und dann eben auch die Fähigkeit so zu formulieren dass er das nicht großartig überarbeiten muss.

00:58:00: Die wenigen Manuskripte die wir haben sind alle ohne Überarbeitungsspuren.

00:58:04: Wir wissen zum Beispiel von Balzac der ja ähnlich kreativ war und viel geschrieben hat Dass der alles Mögliche rum korrigierte an den Druckfahren Alles noch mal so und so...das machte Düma nicht!

00:58:13: Das ist geschrieben fertig.

00:58:15: Und wenn es dann war dann wurde das auch nicht in der Buchversion noch mal wieder überarbeitet oder korrigiert.

00:58:20: Das kam von der Föchton-Version ins Buch, da gibt es kaum Unterschiede und trotzdem ist sozusagen der berühmteste Auto in Frankreich für den historischen Roman.

00:58:29: Da braucht man immer auch eine Menge historisches Wissen.

00:58:32: Und der Marquet hatte eine Doktorarbeit geschrieben, er kannte sich mit Altsprachen aus, er kannte sich mit Archiven aus, hat eben auch eine menge Recherchen gemacht.

00:58:43: Unter die Arme gegriffen muss man sagen, wo Düma selber keine Lust drauf gehabt hätte.

00:58:46: Düma war überhaupt nicht der Typ!

00:58:48: Das war ein Lebemann.

00:58:49: Das war nicht der Typ, der im Archiv rumhängt und nach irgendwelchen Schnipseln sucht – überhaupt nicht.

00:58:53: Heute wird man das dann wahrscheinlich Personal Assistent nennen oder so?

00:58:56: Genau... Aber ich will auch den Marquet nicht abwerten.

00:58:59: Es ist kein Zufall, dass die schönsten und wichtigsten Romane alle mit Marquet entstanden sind – die drei Musketiere, die Bartolomeosnacht, der Graf von Monte Cristo….

00:59:09: Das ist alles in Zusammenarbeit mit Marquay entstanden.

00:59:11: Das hat schon seinen Grund.

00:59:13: Es gab dann hinterher einen Streit haben sich beide nicht aufgehört zusammenzuarbeiten, er hat Marquet seine eigene Karriere als Schriftsteller fortgeführt aber ohne Erfolg oder nur mit sehr geringem Erfolg.

00:59:24: Das sagt ja auch etwas aus!

00:59:27: Also die waren beiden superteam und jeder hat was eingebracht.

00:59:30: Und ich denke, das ist überhaupt kein Verbrechen ein kreatives Team zu sein.

00:59:34: Und es ist ja Unsinn einen Schriftsteller zu bestrafen weil er einen Mitarbeiter hatte.

00:59:40: entscheidend ist doch dass die Texte faszinierend geworden sind.

00:59:43: um die geht's ja.

00:59:45: Man hat den Dymar sozusagen bisschen mit dem Bade aus wie das Kind mit dem Baden ausgeschüttet.

00:59:49: Das war Massenproduktion mit Angestellten Was so nicht stimmt.

00:59:55: Natürlich, der Marquet war beteiligt.

00:59:57: Der war aber nicht fest angestellt.

00:59:58: Er kriegt eine feste Summe oder er war beteiligt an den Einnahmen.

01:00:02: Der kriegt schon sein Geld, aber der war nicht festangestellt oder so.

01:00:04: Das sind alles so Mythen und damit hat man schon zu Lebzeiten die mal sehr stark kritisiert und das hat seinen Bild gerade in Deutschland.

01:00:10: ich denke dass ist kein Zufall weil bei uns ja im Land der Romantik diese Vorstellung des authentischen Ich ironisiere das jetzt ein bisschen, weil es in Deutschland teilweise total übertrieben wird mit dem Authentischen.

01:00:22: Denn was ist denn schon authentisch sage ich mal so?

01:00:25: Und da hat man Dymar sehr schnell abgekanzelt und da ist sehr viel verloren gegangen.

01:00:29: Es gibt so großartige tolle Texte und ich bin ja auch schon in meiner Laufbahn ein bisschen vorangeschritten.

01:00:36: Ich habe mich vorher nicht so intensiv mit Dymars beschäftigt.

01:00:39: Ich war selber sehr überrascht dass sich doch im letzten Drittel meiner Loffbahn nochmal ein Auto entdecke der so unglaublich viel zu bieten hat und gleichzeitig so bekannt ist.

01:00:49: Das ist auch irgendwie verrückt!

01:00:51: Den Namen kennt jeder, er forscht in Deutschland?

01:00:55: Ist ja quasi null.

01:00:56: Verrückt also ich war wirklich auch komplett verblüfft dass man eigentlich den Namen mitzu wenig Leben füllen kann als Otto-Normal-Verbraucher.

01:01:03: Sie haben vorher gesagt der war irgendwie auch ein Medienstar.

01:01:06: was denken sie wenn Dumar heute leben würde?

01:01:08: in welchem Medium wäre er unterwegs?

01:01:11: Der hatte ein unglaubliches Talent Dialoge zu schreiben.

01:01:13: Er wäre also garantiert im Film.

01:01:16: Er würde sicherlich auch tolle Fernsehserien schreiben können, denn er ist einfach ein Theater-Mensch.

01:01:22: Das ist vielleicht eine der großen Leistungen.

01:01:24: und warum diese Romane so gut zu lesen sind.

01:01:27: Er fängt an als Theater Schriftsteller und stellt dann aber fest es ist einfacher für ihn wenn er Romane schreibt.

01:01:34: Denn das Theatersystem in Frankreich war damals so dass die Schauspieler sehr viel mitzureden hatten.

01:01:40: Es gab keinen Regisseur oder sowas wie wir das heute kennen, sondern die Schauspieler suchten sich das aus und die wollten auch ihre Dialoge anders haben usw.

01:01:48: Und das war ein unglaublicher Aufwand für Dymar.

01:01:52: der musste dann bei den Proben da muss er sich das immer anhören mit den Schauspielen.

01:01:55: was sie dann wieder wollten musste sich ständig anpassen.

01:01:57: und als dann die Föchter Romane kamen Die lukrativ waren am Anfang und einen Riesenbedarf an Romanen existierte weil es sehr viele Zeitungen gab viel mehr als heute Und die hatten alle ihren Föchthorn-Roman ab Mitte der Achtzerdreißiger Jahre.

01:02:10: Da gab es großen Bedarf, man konnte Geld verdienen.

01:02:12: Ich mache weiter Theater aber ich schreibe jetzt erstmal Romane und da kam dann der große finanzielle Erfolg auch mit den Romanen eigentlich erst.

01:02:19: Aber er übernimmt dieses... Jetzt kommen wir wieder ein bisschen zur Spannung.

01:02:24: Das Theater kennt den Begriff der Spannung schon sehr, sehr lange als dramatische Spannungen.

01:02:28: Im Roman kommt das eigentlich erst im neunzehnten Jahrhundert und Düma gehört eben zu den Autoren denen es gelingt die dramatischen Spannungs zu übertragen auf den Roman durch ein sehr abwechslungsreiches Zusammenspiel von Dialogpassagen mit Handlungsbeschreibung usw.

01:02:43: Da ist ständig Bewegung Und wenn man sich das mal anschaut, wie die Figuren in den Romanen, wie sie eintreten in eine Szenerie oder wie die die Szenarie verlassen.

01:02:52: Das ist genauso wie bei Auftritten und Abtritten im Theater gemacht.

01:02:56: Also es sind sehr dramatisierte Romane!

01:02:59: Wir können noch stundenlang weiter sprechen glaube ich aber... Ich komme mal kurz von Dumas als Autor zu Ihnen als Autur denn Sie haben mehrere Biografien geschrieben, Sie haben diese Reiseführer geschrieben.

01:03:12: Das sind ja alles Ich sag jetzt mal Genres, die ein bisschen was anderes sind als der klassische wissenschaftliche Artikel.

01:03:18: Als Sie die geschrieben haben, haben sie sich da überlegt wer ist meine Zielgruppe?

01:03:22: Für wen schreibe ich das?

01:03:23: muss ich es anders schreiben als wenn ich das für meine Wissenschaftlerkollegen und Kollegen schreiben würde?

01:03:28: und so

01:03:29: Ja und ich muss sagen dass ist glaube ich das was mich wirklich noch sehr stark verändert hat.

01:03:33: in den letzten also angefangen hat das im Prinzip.

01:03:38: Es ist noch gar nicht so lange her.

01:03:39: Ich habe bis zum Jahr zwei Tausendsehnten ganz normal, also nur wissenschaftliche Formate bedient und dann hatte ich die Anfrage eine Jules Verne Biographie zu schreiben Und da musste ich sozusagen ein bisschen lernen für den größtes Publikum.

01:03:52: Der Verlag hatte auch vorgegeben das war damals die Wissenschaftliche Buchgesellschaft Schade, die Slider verschwunden.

01:03:58: Die gibt's nicht mehr und die hatten bestimmte Vorgaben also keine Fußnoten.

01:04:02: Quellen konnte ich nur indirekt nennen.

01:04:04: das war alles ein bisschen schwierig am Anfang für mich weil ich immer das Gefühl hatte ich musste ja doch irgendwo einen Hinweis darauf gehen woher das kommt aber muss sich dann eben auf dem akademisches Publikum einstellen dass er aber nicht unbedingt romanistisch ist.

01:04:17: man kann auch nichts Französisches oder so da rein schon mal alles übersetzen.

01:04:20: also da habe ich dann schon ein bisschen was dazu gelernt anders zu schreiben Denn das wissenschaftliche Schreiben hat leider auch so seine Grenzen.

01:04:28: Wer liest denn diese ganzen Artikel?

01:04:31: Also ich habe jetzt mittlerweile eine Liste von etwa hundert wissenschaftlichen Aufsetzen, aber da hat man dann ein zwei Leser pro Aufsatz und der Aufwand ist so groß, dass zu machen... Ich sehe es ja als meine Aufgabe und mach's natürlich auch!

01:04:44: Aber es ist schon etwas anderes wenn man mit den Texten jemand erreicht und auch mal die Texte vorstellen kann bei einem größeren Publikum, wo einfach ein Dialog entsteht.

01:04:54: Und das heißt ja nicht nur weil sie jetzt nicht wissenschaftlich in Anführungsstrichen sind, denn das Wissenschaftliche ist oft nur das Formale – da darf man sich auch nichts vormachen!

01:05:04: Der Inhalt dieser Biografien, da ist zwar keine Fußnote aber der Inhalt wäre mit Fußnoten auch nicht viel anders.

01:05:12: Also es ist eigentlich nur ein formaler Unterschied und ein stilistischer Unterschied, ist es ja dasselbe.

01:05:18: Deswegen finde ich das in Deutschland oft diese, sage ich mal populärwissenschaftlichen Formate die werden nicht ernst genug genommen.

01:05:26: Die sind aber ganz wichtig als Brücke um uns als Fachjahr auch zu repräsentieren denn wenn wir das nicht machen macht's keiner und wir müssen schon unsere Ergebnisse auch in die Gesellschaft bringen Denn Wir können keine Maschinen bauen Aber wir können inspirieren Und das muss man dann auch wirklich tun.

01:05:45: Es interessiert sich zwar nicht jeder Fischlwern und für die Ma, aber die, die es doch tun.

01:05:50: Die freuen sich doch wenn da Romanisten sind, die das dann auch anbieten und im besten Fall auch inspirierend sind.

01:05:55: Und ich denke dass müssen wir machen!

01:05:57: Für mich war die Erfahrung eben anders zu schreiben den Stil nochmal zu überlegen und dann die Reiseführer... Das war natürlich noch mal wieder was ganz anderes denn da kam mir noch hinzu dass man auch teilweise so ganz banale Sachen wie komme ich da eigentlich hin?

01:06:13: Oder lohnt sich das zu besuchen?

01:06:15: Also dass man auch den Blick nochmal ganz anders haben musste, nämlich den Blick eines konkreten Touristen der da wirklich hinfahren würde.

01:06:24: Ich bin jetzt natürlich so ein bisschen abenteuerlustig veranlagd sage ich mal so.

01:06:27: Ich habe da einige Wanderungen gemacht die kann ich niemandem anders zumuten Das kann nur ich machen oder andere, die genauso verrückt sind und das sehen wollen.

01:06:36: Weil das fünf Kilometer außerhalb liegt und da gibt es keine Straße oder so.

01:06:40: Das kann ich aber gar nicht den Reiseführer reinschreiben denn hinterher kommen die Leute uns sagen, was haben sie denn da geschrieben?

01:06:46: Wir sind da Kilometer gelaufen!

01:06:48: Und das war ja gefährlich und was weiß ich alles, das geht natürlich nicht.

01:06:51: Also man muss sich da ganz anders reinversetzen, das war schon ganz spannend.

01:06:54: Nachher hat man noch versicherungstechnische Bedenken oder so... Wissenschafts ein bisschen aus ihrer Bubble rausholen und den Leuten näher bringen, das ist ja auch was wir mit diesem Podcast machen möchten.

01:07:05: Dass vielleicht noch mehr Leute teilhaben können an dem, was hier in der Uni so geschieht.

01:07:10: Woran forschen Sie denn jetzt gerade so ganz aktuell?

01:07:13: Haben sie irgendwas aufm Zettel, was Sie uns erzählen können oder vielleicht auch einen Wunschzettel wo die nächste Abenteuerreise hingehen könnte?

01:07:21: Also ich stecke grade im Abschluss eines Manuskripts.

01:07:24: es ist so'n bisschen die Fortführung des Schreibens wie aus dem Winnetubuch Allerdings keine Reise, sondern es geht um Coolness im Film.

01:07:32: Coolness war glaube ich in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern eine Form von Männlichkeit wie unglaublich wirkmächtig war die vor allen Dingen im Film sehr präsent gewesen ist Und dann wieder so ein bisschen verschwunden ist.

01:07:46: Die Geschichte der Coolness ist noch nicht so erzählt worden.

01:07:49: meines Erachtens Das hat mich immer sehr fasziniert warum manche Figuren so cool wirkten.

01:07:56: Und wir in Deutschland lieben ja auch dieses Wort cool so sehr, dass das mittlerweile für alles gesagt wird.

01:08:02: Das ist auch ein Problem wenn man sich damit wissenschaftlich oder essayistisch auseinandersetzt.

01:08:06: Ich kann nicht den wortgebrauch cool von heute nehmen weil das alles so nix bedeutet modisch schick anregend das kann alles oder einfach nur gut oder sowas bedeuten.

01:08:16: Also der Bogen isst von Marlene Dietrich als erster wirklich cooler Frau rauchend im Männerkleidung.

01:08:23: wahnsinnige Szenen aus den dreißiger Jahren.

01:08:25: Frauen verschwinden dann aus der Coolness.

01:08:28: In den Sechzigern kommen dann diese Kriegshelden und Cowboys und Westernhelden, die cool sind und dann die Polizisten natürlich und Privatdetektive auch schon ein bisschen im Film Noir der vierziger Jahre.

01:08:40: Und ja dieses Männlichkeitsprofil anhand von Filmen zu entdecken, zu verfolgen, zu beschreiben bis Quentin Tarantino oder er das Ganze da nochmal wieder aufnimmt als Meta-Blick von oben.

01:08:51: Ich mache mich über cooles Lustig, aber gleichzeitig bin ich so fasziniert davon, dass sich auch ganz coole Filme und ganz cole Figuren kreiere.

01:08:57: Das ist ein bisschen das was ich jetzt ja gerade Forschungsfreisemesser gehabt habe, was ich so halbwegs abschließen konnte und hoffe, dass ich da einen Verlag finde und das vielleicht im Laufe des Jahres noch erscheinen kann.

01:09:09: Sie haben so lebensneit Themen und so spannende Themen und sie können so coole Sachen machen sage ich jetzt einfach mal reisen und darüber Bücher rausbringen und so sind sie manchmal Dankbar für diesen Job!

01:09:22: Also es ist mein absoluter Traumjob und ich bin tatsächlich jeden Tag dankbar, dass ich das machen kann.

01:09:27: Bin auch froh, dass sich die Reisen jetzt gemacht habe Denn das war unglaublich anstrengend.

01:09:32: Ich war insgesamt vierzig Wochen unterwegs und das bedeutet auch, wenn man Drehorte besichtigt... ...das ist auch physisch sehr herausfordernd denn ich kann mich ja nicht wochenlang da aufhalten!

01:09:42: Ich habe dann fünf, sechs Drehorten pro Tag.

01:09:44: Da müssen Fotos gemacht werden, die müssen gefunden werden.

01:09:46: Das ist extrem intensiv gewesen.

01:09:48: Ich hab mich dann auch gefragt, oh Gott hätte ich das in zehn, zwanzig Jahren noch gekonnt?

01:09:51: Weiß' ich gar nicht.

01:09:52: Und deswegen bin ich dankbar dass sich das machen kann, dass ich das machen darf.

01:09:58: Denn man muss ja auch sehen Als Beamter hat man auch so ein bisschen die Pflicht, sowas zu machen.

01:10:03: Diese Projekte könnten niemals vom Markt finanziert werden.

01:10:07: Diese Reiseführer, die würde es nicht geben!

01:10:09: Kein Verlag könnte das finanzieren... Ich habe da ja also jetzt wortlich tausend Stunden bezahlen sie mal Tausend Arbeitsstunden Da können Sie kein Buch mehr finanziern.

01:10:18: Das geht nicht!

01:10:19: Das kann man eigentlich nur machen wenn man sozusagen ein festes Einkommen hat und sagen kann ich hab' jetzt die Freiheit, ich mach das jetzt zwei Jahre lang Und kann das am Projekt abschließen.

01:10:29: Das sehe ich auch so ein bisschen als meine Pflicht an, das dann zu erfüllen und Projekte zu machen die sonst nicht gemacht werden könnten.

01:10:36: Aber es ist natürlich ein unglaubliches... Wenn man das machen will auch nicht jeder sowas machen.

01:10:40: aber es ist noch ein bisschen mein Leben und ich bin wirklich sehr dankbar dafür dass die Uni mir das ermöglicht.

01:10:46: Dann wünsche ich Ihnen noch ganz viele weitere so spannende Buchprojekte Filmprojekten Reiseprojektes was auch immer.

01:10:53: wir sind gespannt drauf.

01:10:54: vielleicht können wir das ja ein bisschen mitverfolgen in Zukunft.

01:10:59: Vielen Dank, dass Sie uns an Ihren Abenteuer reisen haben teilhaben lassen.

01:11:03: Schön, dass sie heute hier bei mir im Studio waren.

01:11:04: Herr Junker-Jürgen

01:11:05: Ich habe zu danken für das sehr gut vorbereitete und angenehme Gespräch.

01:11:09: Dankeschön!

01:11:10: Ich hoffe für euch war es auch wieder interessant.

01:11:12: liebe Hörerinnen und Hörern Zu welchem Filmset würdet ihr denn gern mal reisen?

01:11:16: Und habt Ihr Fragen an mich oder Herrn Junkr-Jurgen?

01:11:19: Kommentiert diese Folge doch gerne oder schreibt uns einfach eine Mail an.

01:11:22: Kontakt at urde.

01:11:25: Wir freuen uns immer über euren Input.

01:11:27: Und wie immer lasst uns auch gerne ein paar Sterne da und empfehlt den Gasthörer weiter, wenn ihr uns mögt!

01:11:32: Wenn ihr noch mehr über die Forschung hier bei uns an der Uni Regensburg erfahren möchtet dann schaut doch mal in unserem Science-Blog vorbei unter.

01:11:41: da findet ihr ganz viele weitere spannende und ganz aktuelle Forschungsthemen aufbereitet für dich und mich, die nicht unbedingt die Experten in diesem Thema sind.

01:11:51: Ich freue mich auf jeden Fall auf euch!

01:11:52: In unserer nächsten Podcast-Folge.

01:11:54: mein Name ist Katharina Herkoma und ich sage tschüss und bis dann liebe Gasteuerinnen und Gasteurer.

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